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PNP vom 07.04.2009 „Mit der Natur herumzuspielen lohnt sich nicht“
 „Mit der Natur herumzuspielen lohnt sich nicht“ Dr. Antônio Inácio Andrioli referierte über die Auswirkungen der Agro-Gentechnik Wallerdorf. Objektiv und emotionsfrei geht nicht: Das hat Dr. Antônio Inácio Andrioli seinem Vortrag über die Folgen der Gentechnik in der Landwirtschaft eindringlich vorangestellt. Er schilderte am Samstagabend auf der Gründungsversammlung von Zivilcourage im Gasthaus Thalhauser (siehe vorhergehende Seite) seinen Blickwinkel aus Sicht der Kleinbauern, vor allem der Kleinbauern aus dem Süden Brasiliens, seinem Heimatland. Und damit argumentiere er ideologisch, betonte Dr. Andrioli. Ironisch und witzig, mit vielen praktischen, zum Teil absichtlich überzeichneten Beispielen, griff er frontal die Chemiekonzerne an, allen voran Monsanto.
Er zeigte aber auch auf, dass deren angeblich objektive wissenschaftliche Argumentationen eben ihre Darstellung und damit ebenfalls ideologisch seien. Vier Argumente führen die Chemiekonzerne laut Agrioli für die Gentechnik in der Landwirtschaft an: Man könne damit den Ertrag steigern, den Hunger in der Welt bekämpfen, die Produktionskosten senken und die Auswirkungen von Pestiziden auf die Umwelt verringern. Alle vier widerlegte der Agrartechniker, der an der Universität Osnabrück promovierte, im Laufe seines Vortrags anhand seines Heimatlandes Brasilien.
Von den 180 Millionen Einwohner hungerten 40 Millionen Menschen - obwohl sie mehrheitlich auf dem Land lebten und die Fläche 25 Mal so groß wie die BRD sei. Doch der Löwenanteil des Landes befinde sich in den Händen von 4000 Großgrundbesitzern, die statt Nahrungsmitteln aber die gewinnträchtigeren Produkte Soja, Kakao, Orangen, Baumwolle und Kaffee anbauten. Lebensmittel hingegen würden eingeführt. 1998 hätten Kleinbauern im südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul Gensoja über die Grenze eingeschmuggelt - von Monsanto toleriert. Gensoja ist Pestizid-resistent und kann also mit einem bestimmten Pestizid gespritzt werden, ohne selbst Schaden zu nehmen, erläuterte der Brasilianer. Doch bald schon seien auch die Schädlinge dagegen resistent gewesen, so dass nach Angaben des Referenten inzwischen das Achtfache der früheren Menge an Spritzmitteln verwendet würde. Damit, so Dr. Andrioli, seien die Kosten nicht gesunken, die Auswirkungen auf die Umwelt hätten sich verschlimmert und zudem sei der Ertrag um fünf bis zehn Prozent gesunken.
Die Landwirte seien verschuldet, könnten nicht mehr produzieren und auch keine hungernden Menschen versorgen. Während in Rio Grand do Sul zu 95 Prozent Gensoja angebaut werde, sei Brasilien gesamt gesehen zu 40 Prozent beim Sojaanbau Gentechnik-frei. Denn viele Großbauern hätten die Entwicklung der Gentechnik abgewartet und wollten - nach den deutlichen Auswirkungen im Süden - diese nicht einsetzen. „Weil weniger pro Hektar produziert wird, weil sie teurer ist und weil sie nicht verkauft wird“, da die Verbraucher sie nicht akzeptierten, erläuterte Dr. Andrioli. Wirtschaftliche Gründe führte er auch als Grundlage für das Handeln der Chemiekonzerne an. So sei es die Strategie der Chemiekonzerne, über die Agro-Gentechnik mehr Pestizide zu verkaufen und die Abhängigkeit der Bauern zu steigern. Ausführlich schilderte er, wie giftig die Pestizide für Menschen und Tiere seien. Boden und Wasser seien verseucht, die Vielfalt der Pflanzen werde zerstört, 15 Unkrautsorten entwickelten Resistenzen, fasste der Referent die Erfahrungen aus seiner Heimat zusammen. Zudem beobachte man eine Erosion und Auslaugung des Bodens sowie eine Veränderung der Struktur des Wurzelsystems. Für den Wissenschaftler ist die Agro-Gentechnik „eine gescheiterte Technik, weil sei nicht funktioniert“. Zwar müssten weiter ihre Auswirkungen erforscht werden, allerdings nur im Labor. Denn Wissenschaftler hätten nicht das Recht, mit ihrer Forschung die Umwelt „zu verseuchen“. Im Gegenteil: Der Einsatz von Agro-Gentechnik sei für ihn „Feldzerstörung“, und „Sachbeschädigung“. „Mit der Natur herumzuspielen lohnt sich nicht“, sagte Dr. Antônio Inácio Andrioli bestimmt. Die einzige Chance gegen Agro-Gentechnik sei „der Widerstand von Bauern. Die Konsumenten sind schon dagegen.“ - gs |