Gentechnikfreies Sojaschrot in Mitteleuropa -Marktsituation ab April 2008 Wie im Dezember 2007 erklärt, wurde in der Region zum Jahresende die Belieferung mit gentechnikfreiem Sojaschrot etwas eng, weil durch den Nachfrageanstieg nach „GVO-frei“ die zertifizierte Ware nicht ausreichte. Nachzertifizierungen (’Non-GMO’ und Basler Kriterien) wurden sofort eingeleitet, beanspruchten dann aber naturgemäss eine gewisse Zeit. Es zeigt sich am Markt eindeutig ein Trend in Richtung als GVOfrei und nachhaltig zertifiziertem Futtermittel, was nach technisch bedingtem Vorlauf auch jederzeit möglich ist.
Den Lieferengpass nutzten viele Händler aus und erklärten dem Landwirt, dass es GVO-frei doch nicht mehr gebe. Dies wird sogar heute noch behauptet, obwohl die Lieferungen wieder in vollem Umfang laufen. Das Abblocken ging teils sogar soweit, dass zusätzliche Aufpreise verlangt wurden, um GVO-Soja „durchzusetzen“. Dieses Spiel machen wir von Zivilcourage nicht mehr mit. Ab Mai 2008 wird sich die Liefersicherheit für die Region radikal und positiv ändern. Mehr dazu Ende April auf der Internetseite. Betrachtet man die bestätigten Produktionsmengen, ist es unvorstellbar, dass aus Europa eine Nachfrage nach GVO-freiem Soja kommt, die Brasilien alleine nicht erfüllen könnte. Die Erntemengen sind nach wie vor hoch. Das Problem ist die Vermischung mit GVO-Bohnen auf den Transportwegen, was bereits ab 0,9 % eine GVO-Kennzeichnung verlangt, oder die vorsorgliche Sicherheitskennzeichnung mit GVO. Wir werden verstärkt mittels Kontrolluntersuchungen diese Sicherheitskennzeichnung aufdecken, weil sie laut dem Bericht der EU-Kommission zu ihrer eigenen EU-Kennzeichnungsverordnung Nr. 1829/2003 ausdrücklich verboten ist. Vielleicht lernen es die Händler leichter, wenn durch die Kontrollbehörden Geldstrafen verhängt werden. Der Handel muss wieder lernen, dass er das bereitzustellen hat, was die Landwirtschaft oder der Markt wollen und nicht das, was er gerne verkaufen würde. Kommentar von zwei Experten aus dem Welthandel: (Original vorliegend - übersetzt auf Deutsch): § „Die benötigten GVO-freien Bohnen sind ausreichend vorhanden. Was die Verfügbarkeit am Markt betrifft, so ist zu bemerken, dass sich die betroffenen Branchen langsam etwas umstellen müssen. Es geht nicht mehr um reine austauschbare Warenströme! Man muss vorausplanen, und wer seine Rahmenverträge nicht frühzeitig abschließt, bekommt entweder überteuerte Ware oder gar keine mehr. Wer aber Rahmenverträge eingeht, der kann seine Aufschläge (für NON-GMO etc.) festzurren und auch seine Liefersicherheit. Zu den bisherigen Ölmühlen (z.B. IMCOPA) kommen neue hinzu. Das sind sowohl bereits GVO-frei produzierende (aber bislang noch nicht zertifizierte), wie auch ganz neue im Verarbeitungsbereich. Aus diesen beiden Kategorien kommen alleine aus Brasilien gerade in den nächsten beiden Monaten ca. 1,5 Mio. t an Schrot neu auf den Markt. Hinzu kommen etwa 1,2 Mio. t aus Indien – ebenfalls nach Basler Kriterien zertifiziert. Im nächsten Jahr werden es laut bestehenden Planungen noch mehr werden.“ § „Der weitaus größte Teil Brasiliens produziert nach wie vor gentechnikfrei, weil die genveränderten Sorten zu teuer sind (Patentgebühren). Der Farmer müsste sehr viel mehr je Hektar ernten, um diese Kosten zahlen zu können. Die bisher versuchten GVO-Sorten aus Argentinien sind zudem nicht für die Boden- und Klimabedingungen Mittel- und Nordbrasiliens geeignet. Außerdem gibt es inzwischen Bauern, die sich aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Gensoja nach fünf Jahren wieder auf herkömmliche Soja umstellen (was bei RR-Soja als Selbstbestäuber langfristig möglich ist). Wir können nach wie vor davon ausgehen, dass Brasilien in der Lage wäre, jegliche denkbare Nachfrage für den Weltmarkt nach gentechnikfreier Soja erfüllen zu können“. Nebenbei entstehen neue Anbaugebiete in Europa. Die Versorgung mit GVO-freiem Soja ist also keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Händler, die laufend abblocken und damit keine Lieferverträge abschliessen, werden vom Markt verschwinden. Der Lebensmittelmarkt dreht bereits gewaltig in Richtung „ohne Gentechnik“.
Allen Landwirten ist anzuraten, bei ihren Händlern nach der Lieferfähigkeit von GVOfreien Futtermitteln und Soja nachzufragen. Blockt der Händler ab, wird es höchste Zeit, einen anderen zu suchen. Sonst kann es sein, dass der Landwirt seine Erzeugnisse bald nicht mehr verkaufen kann. BSE oder der Reis bei ALDI sollte lehrreich genug gewesen sein, wie schnell der Markt „nicht verbrauchergerechte Produkte“ ablehnt. Bei BSE hieß es bei Händlern auch immer, dass Tiermehl (Kadavermehl) kein Problem darstellt, weil es zugelassen ist. Die Bauern blieben auf ihrem Schaden sitzen. Der Markt schaut nicht lange zu! - ACHTUNG bei Sojaeinkauf
Immer wieder werde ich angerufen, ob es sein kann, dass zwischen GVO = genverändertem Soja und GVOfrei = gentechnikfreiem Soja ein so hoher Preisunterschied sein kann. Bitte zuerst nachfragen, was genau eingekauft oder nachgefragt wird: - Es gibt leider viele Lagerhäuser, die dem Landwirt einreden, sie haben nur Hochprozent-Soja und verkaufen dann einen Normalschrot-44/7. Bei der Nachfrage heißt es dann, dass der Soja sowieso ein Hochprozent ist und sie immer nur beste Ware verkaufen.
- Solche Angaben, auch wenn es einige nicht gerne hören, sind Irreführungen. Hochprozent-Soja beginnt erst bei 46 % Protein. Alles was darunter liegt ist laut Futtermittelverordnung ein ganz normaler schalenreicher „Normalschrot“.
- Selbstverständlich kann dieser Soja auch hohe Eiweißgehalte haben, jedoch immer bedeutend weniger als ein HP. Der Wert 44 bedeutet aber nicht den Proteingehalt, sondern den Wert Protein + Fett („ProFett“). Dabei schwankt der Proteingehalt beim „Normalschrot zwischen 34 und 42% je nach Schalenanteil. GVO-freier HP 48 hat einen „ProFett von mind. 48% (46% Protein + 2% Sojaöl) + die naturgewachsene Rohfaser.
- Ein Preisunterschied von mehr als 5 - 6 € bei GVO-Normalschrot zu GVO-frei-HP-48 sind nicht reell.
Bei HP zu HP-GVO-frei max. 3 – 4 €. Das zeigen Preisvergleiche von Einkaufsgemeinschaften. Die höheren Inhaltswerte von GVO-frei-HP-48 lesen Sie auf einem andern Infoblatt. Die höheren Kosten von HP48 GVO-frei zu Normalschrot GVO-haltig werden weitestgehend durch die höheren Eiweissgehalte ausgeglichen. Hinzu kommt, dass GVO-Soja eine schlechtere Eiweissverwertbarkeit hat (japanische wissenschaftliche Studien belegen das). Um die gleiche Verwertbarkeit zu erlangen, müsste GVO-Soja mind. 25 Min. bei 220 °C getoastet werden. Das macht jedoch keine Ölmühle. Deren normale Erhitzung dauert 10 Min. bei 100°C.
Der Landwirt muss wieder lernen, dass er beim Futtereinkauf mehr darauf achtet, was er kauft. Nicht allein ie Inhaltsangaben sind wichtig, sondern die Verwertbarkeit des gesamten Produkts. Hochwertige Inhaltswerte bringen mehr Leistung als schöne Lieferscheinzahlen. 3 € je 100 kg höherer Preis kann trotzdem günstiger sein, wenn man dadurch weniger Wareneinsatz braucht. Zivilcourage wird künftig im Internet die Händler nennen, die nur gentechnikfreie Futtermittel anbieten. Dies sind die Partner der freien Bauern. Die Landwirte können sich dann einen anderen Händler suchen, wenn der bisherige nicht GVO-frei liefert. Herausgeber: Feilmeier Josef - Infodienst - Weltmarkt, Futtermittel, Landwirtschaft
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